Eröffnungsrede Von S.e. Herrn Mevlüt Çavuşoğlu, Minister Für Auswärtige Angelegenheiten Der Republik Türkei 11. Botschafterkonferenz Ankara, 5. August 2019

Republik Türkei Außenministerium 05.08.2019

Sehr geeh rter Herr stellvertretender Ministerpräsident,

sehr geehrte Minister,

verehrte Gäste,

geschätzte Botschafterinnen und Botschafter,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich begrüße Sie alle herzlich auf der 11. Botschafterkonferenz.

Ich freue mich darüber, mich Ihnen bei dieser Gelegenheit zum fünften Mal als Außenminister anzuschließen.

Auch dieses Jahr haben wir ein umfangreiches und ehrgeiziges Programm.

Anlässlich des hundertsten Jahrestags vom 1919 werden wir Samsun besuchen, die Stadt, in der unser Gründungsvater Mustafa Kemal Atatürk die Flammen unseres Unabhängigkeitskrieges entfacht hat. Wir haben den „Hundertsten Jahrestag von 1919", das erste Buch mit Dokumenten aus unseren Archiven, veröffentlicht.

Seit der letzten Botschafterkonferenz habe ich 84 Auslandsbesuche durchgeführt, von denen 17 in Begleitung unseres Präsidenten stattfanden. Ich habe 52 Kollegen in unserem Land empfangen. Insgesamt habe ich 311 internationale Kontakte aufgenommen. Wir haben uns schnell an das Präsidialregierungssystem und seine neue Struktur angepasst. Auf Anweisung unseres Präsidenten, „aufrecht zu stehen, weiterzuverfolgen, hart zu arbeiten“, haben wir niemals angehalten, sind langsamer geworden oder haben uns müde gefühlt.

Die Welt ist eine Gemeinschaft von 194 Staaten. Wir haben Botschaften in 142 von diesen. Unsere Botschafter sind auch in 13 internationalen Organisationen tätig.

Mit insgesamt 243 Vertretungen nehmen wir unseren Platz unter den fünf größten diplomatischen und konsularischen Netzwerken der Welt ein.

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Die türkische Diplomatie ist eine weltweite Marke. Dies wird von all unseren Gesprächspartnern bestätigt.

Türkische Botschafter sind täglich sowohl vor Ort als auch am Tisch der Diplomatie aktiv.

Sehr geehrte Gäste,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Trotz verschiedener Verwandlungen und Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte bestehen die Kernfunktionen der Diplomatie im 21. Jahrhundert fort.

Allerdings sind Ort und Tisch in der Diplomatie breiter und vielschichtiger geworden, und türkische Diplomaten gehören zu den Pionieren dieser neuen Diplomatie.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass unsere Botschafter/innen in Katastrophengebieten Hilfe leisten, unseren entführten Bürgern in Konfliktgebieten helfen, zwischen Streitparteien vermitteln und türkische Unternehmen fördern.

Am Freitag, den 19. Juli 2019, wurden zum Beispiel in Nigeria vier türkische Staatsbürger, die in einem Steinbruch arbeiteten, mit vorgehaltener Waffe entführt. Mein Ministerium und meine Botschaft haben schnell eingegriffen. Und dank unserer Initiativen wurden alle vier unserer Bürger befreit.

Ich möchte Ihnen einen Einblick in die Routineaufgaben eines türkischen Diplomaten geben:

- Förderung von Handel und Investitionen durch persönliche Kontakte mit ausländischen Geschäftsleuten,

- Unterstützung der Aktivitäten der TIKA (Türkische Agentur für Zusammenarbeit und Koordinierung), dem türkischen Roten Halbmond, AFAD (Präsidium für Notfall- und Katastrophenmanagement) und anderen türkischen Hilfsorganisationen,

- Terrorismusbekämpfung einschließlich FETÖ und PKK,

- Kampf gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen,

- Treffen mit türkischen Bürgern und verwandten Gemeinschaften in Kooperation mit türkischen NGOs,

- wirksame öffentliche Diplomatie mit allen verfügbaren Mitteln durchführen,

- Reden halten und Konferenzen an Universitäten/Think Tanks organisieren,

- Initiativen ergreifen, um interparlamentarische Freundschaftsgruppen zu gründen oder zu stärken,

- Erhaltung und Wiederherstellung unseres kulturellen Erbes und der Denkmäler unserer gefallenen Soldaten,

- Unterstützung der Aktivitäten der von der türkischen Maarif-Stiftung und dem Ministerium für nationale Bildung betriebenen Schulen sowie der Aktivitäten des Yunus-Emre-Instituts, Koordinierung der Sprach- und Religionsdienste, Förderung von Türkei-Stipendien,

- Initiieren und Vermehren von Flügen zwischen Ländern,

- Ausstellungen und Veranstaltungen zur Förderung der türkischen Kultur organisieren,

- Bereitstellung eines breiten Spektrums der Dienstleistungen für unsere Bürger, von der Geburt bis zur Eheschließung, Notar, Ausbildung und Wehrpflicht, die alle von verschiedenen Institutionen im Inland erbracht werden,

- unseren bedürftigen Bürgern die Hand reichen,

- Tugenden unserer Nation in jeder Ecke der Welt bewahren, unsere nationalen und religiösen Feiertage in Drittländern feiern.

Noch vor zwei Wochen organisierten alle unsere Vertretungen Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des abscheulichen Putschversuches vom 15. Juli.

Diese stellen nur einen Bruchteil der täglichen Aufgaben eines türkischen Diplomaten dar.

Lassen Sie mich Ihnen von einem weiteren Vorfall erzählen, der sich in diesem Jahr ereignet hat:

„Ein ausländischer Staatsangehöriger rief das konsularische Callcenter wegen seiner Verwandten an, die mit ihm 20 Minuten zuvor Kontakt aufgenommen hatten, als sie versuchten, mit einem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland zu gelangen. Das Boot hatte Löcher. Er bat um Hilfe. Wir informierten sofort die Behörden und konnten 17 Menschen, von denen 6 Kinder waren, an Bord retten."

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Liebe Gäste,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Welt ist kein Rosengarten mehr.

38 unserer Botschaften befinden sich in sehr instabilen und fragilen Gebieten. 15 Botschaften befinden sich in Regionen mit aktiven Konflikten oder einer ernsthaften Bedrohung durch Terrorismus. 31 türkische Botschaften sind in Ländern tätig, die unter Hungersnot, Dürre und Seuchen leiden.

Der jüngste Terroranschlag gegen unseren Kollegen in unserem Generalkonsulat in Erbil war ein schwerwiegendes Beispiel für die Bedrohungen und Herausforderungen, denen sich die türkische Diplomatie gegenübersieht. Möge Gott unseren ermordeten Kollegen Osman Köse segnen. Ich möchte seiner trauernden Familie und unserer Nation mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Bei dieser Gelegenheit gedenke ich alle unseren Märtyrern, auch denen vom 15. Juli, mit Dankbarkeit. Unsere Herzen sind bei ihren Familien, welche auch unsere Familie sind. Wie Mehmet Akif Ersoy über die Märtyrer von Çanakkale schrieb: „Das Grab der Geschichte ist nicht groß genug, um eure Erinnerungen und Opfer zu bewahren.“

Zu diesem Anlass wünsche ich allen unseren Kollegen und ihren Ehepartnern, die seit der letzten Botschafterkonferenz verstorben sind, Gottes Segen und spreche ihren Familien und unserer Gemeinde mein herzliches Beileid aus.

An Orten, an denen Kriege, Putsche, Staaten scheitern, Unterdrückung und Blutvergießen stattfinden, nehmen türkische Diplomaten ihre Aufgaben ununterbrochen wahr und schützen unsere Interessen mit Hingabe. Sie befinden sich in ständigen Verhandlungen in Hauptstädten, in internationalen Organisationen und an den Tischen verschiedener Prozesse.

Wir haben umfassende Konsultations- und Kooperationsmethoden entwickelt, einschließlich bilateraler, trilateraler, vierseitiger und anderer Arten multilateraler Mechanismen. Wir werden diese nicht nur auf politischer, sondern auch auf technischer Ebene stärker nutzen.

Wir leisten weiterhin einen wesentlichen Beitrag zur regionalen und globalen Stabilität und Ordnung durch Diplomatie. Der Astana-Prozess, der die Hoffnung auf Frieden für Syrien wachhält, ist ein gutes Beispiel dafür, wie aktiv die türkische Diplomatie am Tisch ist. Es ist unmöglich, eine Suche nach einer Lösung in Syrien zu diskutieren, ohne auf den Astana-Prozess zu verweisen.

Gleiches gilt für unsere Vermittlungs- und Konfliktlösungsbemühungen. Die Türkei ist das führende Land bei Vermittlungsinitiativen in drei verschiedenen internationalen Organisationen. Der UNO-Generalsekretär wird im Oktober an der Istanbuler Vermittlungskonferenz sprechen. Wir haben eine Kontaktgruppe der Freunde der Mediation in der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) eingerichtet und führen dessen gemeinsamen Vorsitz. In unserer Diplomatischen Akademie bilden wir Diplomaten aus den OIC-Ländern aus. Wir bilden auch unsere eigenen Experten aus. Wir werden uns in dem kommenden Zeitraum noch stärker mit der Beilegung von Streitigkeiten und schwelenden Konflikten befassen.

In diesem Jahr wurde ein anderer türkischer Botschafter zum Präsident der OSZE-Sonderüberwachungsmission in der Ukraine gewählt. Ich danke Botschafter Apakan für seine erfolgreichen Dienste und wünsche Botschafterin Çevik viel Erfolg. Das ist ein weiterer Ausdruck des Vertrauens, das die türkische Diplomatie genießt. Ebenso wurden zwei sehr kompetente türkische Frauen gewählt: eine als Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und eine als Mitglied der Expertengruppe für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (GREVIO) Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um ihnen noch einmal zu ihrem Erfolg zu gratulieren

Wir haben den Vorsitz von „Der Heart of Asia - Istanbul-Prozess”, welches unter unserer Führung ins Leben gerufen wurde, wieder übergenommen. Darüber hinaus übernimmt die Türkei den Vorsitz von Developing 8, der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECO), des Südosteuropäischen Kooperationsprozesses und des Asien-Kooperationsdialogs.

Bevor wir ihn in diesem Jahr übergeben, haben wir unseren dreijährigen Vorsitz beim OIC-Gipfels mit dem Ziel wahrgenommen, die veraltete Struktur der Organisation wiederzubeleben. Unser Vorsitz hatte Einfluss. Wir haben das OIC dynamisiert. Islamische Entwicklungsfonds, das Zentrum für polizeiliche Zusammenarbeit, die Kontaktgruppe der Freunde der Mediation, der Frauenbeirat und das Istanbul Schiedsgerichtszentrum sind nur einige der konkreten Ergebnisse unserer Initiativen.

In Bezug auf die Palästinafrage und die Angriffe auf Jerusalem haben wir zwei außerordentliche OIC-Gipfeltreffen und drei außerordentliche OIC-Exekutivkomiteesitzungen auf Außenministerebene einberufen. Mit diesen Treffen haben wir es der islamischen Welt ermöglicht, mit einer Stimme zu sprechen. Wir haben die Rechte der Muslime weltweit verteidigt, so wie wir es nach den Angriffen auf Moscheen in Neuseeland getan haben.

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Es wäre nicht fair, diese Antworten auf globale Herausforderungen nur unter geopolitischen Gesichtspunkten zu betrachten.

Zunehmender Rassismus und Islamfeindlichkeit in vielen Teilen der Welt haben uns zum Handeln bewegt. Nach dem schrecklichen Terroranschlag in der neuseeländischen Stadt Christchurch bin ich sofort in Begleitung von unserem Vizepräsidenten dorthin gereist. Gleich danach haben wir in Istanbul das Exekutivkomitee der Organisation für Islamische Zusammenarbeit auf Außenministerebene unverzüglich einberufen. Auch die UN-Generalversammlung haben wir mobilisiert. So haben wir sichergestellt, dass die notwendigen Schritte für eine historische Resolution unternommen wurden. Wir haben allen bewusst gemacht, dass die Islamfeindlichkeit neben dem Antisemitismus und der Christenfeindlichkeit auch ein Verbrechen gegen die Menschheit ist. Auch in unserem Glauben ist dies so.

Durch unseren aktiven und humanitären Ansatz haben wir das globale Bewusstsein für all diese Themen erhöht.

Bei der Entwicklung unserer außenwirtschaftlichen und Handelsbeziehungen ist die türkische Diplomatie äußerst aktiv. Der Betrag der ausländischen Direktinvestitionen, der von 1984 bis 2002 14,6 Milliarden US-Dollar war, erreichte von 2003 bis 2019 210 Milliarden US-Dollar. Wir haben mit vielen Ländern Freihandels- und Präferenzabkommen abgeschlossen oder befinden uns momentan in Verhandlungen.

Wir sprechen nicht nur von einer gegenseitigen Aufhebung der Visumpflicht, sondern auch von einer passfreien Reise. Neben dem klassischen Tourismus legen wir heute auch Wert auf Gesundheits- und Sporttourismus. Die Türkei wurde zum Mitglied des Exekutivrates der Welttourismusorganisation gewählt. Unsere Produkte aus der Verteidigungsindustrie sind in allen Teilen der Welt gefragt. Auf der diesjährigen Konferenz werden wir uns ausführlich mit diesen Themen befassen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass starke Wirtschaft starke Außenpolitik heißt.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Die Diplomatie des 21. Jahrhunderts hat Botschafter/innen in Führungskräfte, Unterhändler und Manager verwandelt.

Die Interessen der Türkei erfordern eine effiziente und zielgerichtete Arbeit im In- und Ausland.

Wir haben in der Diplomatie ein "3+2"-Prinzip der Effizienz eingeführt. Setzen auf Effizienz auf lokaler, regionaler und globaler Ebene sowie vor Ort und am Tisch.

Unsere Botschafter/innen sind weder vor Ort noch am Tisch allein. Sie sind Teamleiter. Sie arbeiten vor allem mit Diplomaten zusammen, die die Kultur der „Hariciye" (Auswärtiger Dienst) angenommen haben, die aus dem Amt des „Reis ül-Küttab" in der osmanischen Tradition stammt. Sie arbeiten mit Diplomaten zusammen, die den Prinzipien der Republik treu, kompetent, sachkundig und diszipliniert sind und sich für einheimische und nationale Werte einsetzen. Nach der Säuberung unseres Ministeriums von FETÖ-Mitgliedern sind wir noch stärker geworden.

Selbstverständlich sind auch andere türkische Institutionen beteiligt, die eine wichtige Rolle spielen, um die türkische Diplomatie effektiv zu gestalten.

TIKA (Präsidium für Internationale Kooperation und Koordination), das Yunus-Emre-Institut, die türkische Maarif-Stiftung, der türkische Rote Halbmond, Turkish Airlines, das Präsidium für Türken im Ausland und verwandte Gemeinschaften, AFAD (Präsidium für Notfall- und Katastrophenmanagement), und das Präsidium für Religionsangelegenheiten sind alle weltweit aktiv.

Eine starke Diplomatie bedarf einer Struktur, in der jeder sein Bestes nach seinen Fähigkeiten gibt und gleichzeitig harmonisch im Team arbeitet. Eine starke Diplomatie erfordert in Form eines Netzwerks eine weitreichende Denkweise und das Erreichen unserer nationalen Interessen und Ziele im Einklang mit den von Präsident Recep Tayyip Erdoğan festgelegten Prioritäten.

Starke Staaten haben starke Botschafter/innen. Botschaften sind Orte für die Informationsbeschaffung, Analyse, Kontaktaufnahme, Vertretung, Intervention, Verhandlung, Koordination, Beratung und Umsetzung. Botschafter/innen sind -vor Ort und am Tisch- Leiter oder CEOs eines Teams.

Wir alle sind uns dieser nationalen Verantwortung bewusst. Unsere Botschafter/innen stehen in allen Bereichen im Dienste unserer nationalen Ziele. Mit den Leistungen aller anderen türkischen Institutionen sind wir in vielfältigen Bereichen tätig. Wir sind weit über die klassische Diplomatie hinausgegangen. Unser Leitprinzip lautet „schlagkräftig vor Ort und am Tisch".

Wir haben einen Initiativansatz entwickelt, den wir aktiv und humanitär nennen. Diesen Ansatz werden wir auch weiterhin beim Krisenmanagement verfolgen.

Wir haben die Segel auf eine raue See gesetzt und weite Strecken zurückgelegt. Um noch weiter voranzukommen, sind wir alle bereit, härter zu arbeiten.

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Sehr geehrte Botschafterinnen und Botschafter,

liebe Gäste,

wir gehen durch eine der härtesten Zeiten in der Geschichte der Republik. Unsere Nachbarregionen und die globale Umwelt erleben einen rasanten Wandel.

Die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen in der Welt sind nicht oberflächlich, sondern weitreichend und dauerhaft. Die bestehende globale wirtschaftliche, soziale und politische Ordnung steht unter Druck.Die Unipolarität, die nach dem Kalten Krieg entstand, hat nicht lange angehalten. Am Rande der Evolution zu einer multizentrischen Struktur befindet sich das internationale System in den Turbulenzen der Transformation. Unsicherheit ist in der Welt weit verbreitet und die Sichtweite ist kurz.

Auf globaler und regionaler Ebene führen politische und wirtschaftliche Machtkämpfe zu Treibstoffkrisen und verursachen Spannungen und Turbulenzen im System. Der Multilateralismus wird zurückgedrängt. Internationale Organisationen, die zur Aufrechterhaltung von Frieden, Wohlstand und Stabilität auf der ganzen Welt gegründet wurden, sind nicht effektiv. In Konfliktgebieten entstehen Machtvakuen. Dabei wird diese Situation am häufigsten von Terroristen missbraucht.

Es gibt Risiken und Gefahren, die unser Land bedrohen. Diese Risiken müssen wir in Chancen umwandeln.

Aufgrund der geopolitischen Lage der Türkei ist die Fähigkeit, umliegende Schwachstellen, Anfälligkeiten und Krisen vorherzusehen und zu bewältigen, von entscheidender Bedeutung.

In einem solchen Umfeld haben wir einen außenpolitischen Ansatz, der verschiedene Szenarien berücksichtigt und Lösungen im Krisenfall erarbeitet.

Gleichzeitig treten wir in eine Zeit ein, in der wir mit neuen Ideen, neuen Initiativen und neuen Schritten voranschreiten müssen.

Die nächsten Jahre sind in jeder Hinsicht von großer Bedeutung.

Wir stehen vor einem politischen und institutionellen Verfall, der weltweit ein bedrohliches Ausmaß angenommen hat.

In solch einem Umfeld bilden nationale und universelle Werte den Anker der türkischen Außenpolitik.

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Jede Nation hat ihre eigene Geschichte. Wie ist denn die Geschichte der Türkei?

Die Grundprinzipien unseres Staates und der Wille unserer Nation sind offensichtlich. Wir sind in der Liga der Demokratien. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, freie Marktwirtschaft, individuelle Rechte und Freiheiten, Pluralismus, Säkularismus und Sozialstaat stellen die Grundlage unserer Republik dar.

Die Souveränität gehört bedingungslos der Nation. Frieden Zuhause und Frieden in der Welt ergänzen sich gegenseitig. Das ist das Grundprinzip unserer Außenpolitik. Die aktive und humanitäre Außenpolitik ist es, die diese Prinzipien vom Denken in Taten und Ergebnisse umsetzt.

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Die Türkei und die türkische Nation sind standhaft geblieben und haben ihre nationale Stärke immer im Dienste der Wahrheit und auf der Seite der Rechtschaffenen eingesetzt.

Wer hat den ersten Versuch einer ethnischen Säuberung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg verhindert? Die Türkei, dank der Friedensmission in Zypern in 1974!

Wer versucht, den endlosen Kreislauf von Konflikt, Terror und Leid im Mittleren Osten zu durchbrechen? Die Türkei, die den Zerfall Syriens und des Irak verhindert, der zu Terror und Blutvergießen führen würde!

Mehr als 70 Millionen Menschen auf der Welt wurden vertrieben, doch wer stellt sich dieser Herausforderung und erteilt der Welt eine Lehre der Barmherzigkeit? Die Türkei!

Wer hält die einseitigen Versuche ab, die Frieden und Stabilität im östlichen Mittelmeerraum gefährden? Auch diesmal ist es die Türkei!

Gibt es in einer Region, die von Krieg, Aufruhr, Stellvertreterkriegen, Sanktionen und ungezügelten Ambitionen umgeben ist, eine andere Demokratie, die es geschafft hat, dank ihrer eigenen Bemühungen und Mittel unter die Top 20 der Weltwirtschaften zu gelangen?

Ist es denkbar, dass jemand dies erreicht, ohne dabei vor Ort und am Tisch aktiv zu sein?

Dies ist unsere Geschichte, und unsere Außenpolitik spiegelt unsere Geschichte wider.

Die Türkei ist Mitglied der NATO und des Europarates. Wir sind Teil des europäischen Rechts- und Sicherheitssystems. Wir sind West und Ost, Nord und Süd. Unser Staat und unsere Nation sind stark und stehen aufrecht als Garant für regionalen Frieden und Wohlstand.

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Sehr geehrte Botschafterinnen und Botschafter,

liebe Gäste,

Inmitten einer Region, die die höchste Rüstungsrate der Welt aufweist, halten wir an dieser strategischen Vision fest, die ich gerade geschildert habe.

Die maritimen Folgen dieser herausfordernden Geographie liegen im östlichen Mittelmeerraum. Wir werden keine Versuche zulassen, die die legitimen Rechte und Interessen der Türkei und der türkischen Zyprioten ignorieren, im östlichen Mittelmeerraum, dem Zusammenfluss der drei Kontinente der Welt, erfolgreich zu sein.

Im Anschluss an die Aktivitäten unseres Bohrschiffes Fatih in unserem Kontinentalschelf hat unser zweites Bohrschiff Yavuz seine Bohrarbeiten in den Gebieten aufgenommen, wo die Türkische Republik Nordzypern der Turkish Petroleum Corporation Lizenz erteilte.

Was wir sehen wollen, ist eine gerechte Verteilung der Ressourcen und eine gemeinsame Regelung auf der Grundlage der Zusammenarbeit. Die konstruktiven Vorschläge, die von den türkischen Zyprioten in gutem Glauben unterbreitet wurden, sind begrüßenswert. Auf unserer Seite werden wir weiterhin die Rechte der Türkischen Republik Nordzypern zu jeder Zeit und unter allen Bedingungen verteidigen.

Als eine politische Institution kann die EU nicht so tun, als ob sie in einer Rechtsangelegenheit wie der Seegerichtsbarkeit als Gericht fungiert. Natürlich werden wir keinesfalls die so genannten Maßnahmen der EU berücksichtigen.

Zypern ist unsere nationale Sache. Die politische Gleichberechtigung und Sicherheit der türkischen Zyprioten, mit denen wir ein gemeinsames Schicksal teilen, ist für uns eine unabdingbare Voraussetzung. Wir schließen keine Formel für eine Lösung aus, die auf diesen Prinzipien basiert. Wir zwingen auch keine Art der Lösung auf. Wir streben die ergebnisorientierten Verhandlungen an. Aber es gibt keinen Grund, nur um der Verhandlungen willen einen neuen Prozess einzuleiten.

Auf der Grundlage einer Win-Win-Beziehung in allen regionalen Fragen möchten wir Griechenland als „Partner“ ansehen.

Unsere Nation öffnet ihr Herz für all diejenigen, die eine freundliche Hand ausstrecken. Lassen Sie uns für den Wohlstand unserer Region und unserer Völker zusammenarbeiten. Lassen Sie uns das östliche Mittelmeer in ein Areal des Friedens, des Wohlstands und der Zusammenarbeit verwandeln. Wir haben daher eine einzige Botschaft an alle, die sich für die Region interessieren: Lasst uns zusammenarbeiten, damit alle gewinnen!

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Im Nahen Osten, im Kaukasus und im östlichen Mittelmeerraum besteht ein hohes Risiko.

Wir werden bis zum Schluss an der Seite unseres brüderlichen Landes Aserbaidschan stehen, vor allem in der Frage Berg-Karabach.

Wir begrüßen die Entwicklungen in unseren bilateralen Beziehungen zu den europäischen Ländern.

Im vergangenen Jahr hat die EU jedoch angesichts der Auswirkungen der innenpolitischen Probleme, mit denen sie zu kämpfen hatte, die Win-Win-Logik verworfen und die Gelegenheit zur Zusammenarbeit in einigen wichtigen Fragen verpasst. Leider haben wir festgestellt, dass sich jede Warnung, die in den letzten zwei Jahren in dieser Phase ausgesprochen wurde, als richtig erwiesen hat. Die inneren Angelegenheiten Europas sind, ebenso wie seine Außenpolitik, eine Enttäuschung für alle.

Traditionelle Mittelparteien haben sich bei den Wahlen zum Europäischen Parlament als geschwächt erwiesen. Radikale und populistische Parteien aus den rechten und linken Flanken haben ihre Stimmen erhöht. Zunehmender Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, islamfeindlicher Trend und Populismus untergraben die Grundwerte Europas und schlagen seine demokratischen Institutionen in Stücke.

Die EU wird sich entweder dem falschen Diskurs des letzten Jahrhunderts zuwenden, indem sie ihre eigenen Prinzipien verrät, und zum kranken Mann der Welt werden, oder sie wird sich mit einem neuen Impuls erfrischen und ihre Trägheit abschütteln. Wir glauben, dass die EU-Mitgliedschaft der Türkei einen starken Impuls dafür geben, dass die EU ihre Trägheit bewältigt. Im Verlauf aller Wellen der EU-Erweiterungen erfolgte die letzte Aufnahme eines G20-Landes im Jahr 1986. In Anbetracht der Tatsache, dass Spanien kein G20-Land ist, war es das Vereinigte Königreich, welches 1973 zuletzt als ein G20-Land in die Union aufgenommen wurde.

Wenn die EU ihre Energie in die richtige Richtung kanalisiert hätte, anstatt die Türkei in Schach zu halten, dann wäre die Türkei ein EU-Mitglied und die EU ein stärkerer internationaler Akteur.

Wir begrüßen, dass die neue Präsidentin der Europäischen Kommission den Schwerpunkt auf eine aktivere EU in ihrer Nachbarschaft und der Welt gelegt hat, einschließlich der transatlantischen Beziehungen und der NATO. Das türkische Volk wird natürlich ein Mitspracherecht bei der Zukunft Europas, unserer gemeinsamen Heimat, haben.

Wir werden uns nicht auf die Mängel der Europäischen Union konzentrieren, sondern auf die Ziele, die sich die Türkei und die EU vor Jahrzehnten gemeinsam gesetzt haben. Die EU-Mitgliedschaft der Türkei ist eine strategische Angelegenheit, die nicht den Händen extremistischer Strömungen und Fanatiker überlassen werden darf, die heute in ganz Europa lautstark auftreten.

Wir werden unseren Verantwortungen weiterhin nachkommen. Die letzte Sitzung der Reform-Aktionsgruppe fand unter dem Vorsitz unseres Präsidenten am Europatag statt.

Wir waren uns immer bewusst, dass der EU-Beitrittsprozess ein langer und schmaler Weg sein würde.

Wir werden versuchen, unseren EU-Mitgliedsprozess voranzubringen, indem wir Fortschritte in Bereichen Reformen, Kommunikation, Visaliberalisierung, Aktualisierung der Zollunion und Vorbereitung des Beitritts erzielen. Wir werden nicht zulassen, dass die Themen ausschließlich wie Migration und Sicherheit alle anderen Bereiche überschatten.

Natürlich werden wir in unseren Beziehungen zu den Mitgliedstaaten und Institutionen der EU aktiv sein. Unsere Direktion für Angelegenheiten der Europäischen Union und die Nationale Agentur werden sich weiterhin mit diesen Fragen befassen. Jeder Fortschritt in dieser Richtung wird zu unserem Land und unseren außenpolitischen Zielen beitragen.

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Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Eines der grundlegendsten Ziele unserer Außenpolitik ist es, einen Gürtel für nachhaltigen Frieden und nachhaltige Entwicklung in unserer Nachbarschaft aufzubauen.

Vor allem gilt es, den Zerbrechlichkeiten und Konflikten ein Ende zu setzen.

Die Probleme im Nahen Osten, die zum arabischen Frühling führten, bestehen nach wie vor. Der palästinensisch-israelische Konflikt und die Sicherheit am Golf durchlaufen derzeit heikle Zeiten. Es ist wirklich eine traurige Realität, dass in einer Zeit, in der die regionale Eigenverantwortung am dringendsten benötigt wird, die Länder der Region einen Mangel an Einheit zeigen.

Die Türkei wird die palästinensische Sache um jeden Preis weiterhin verteidigen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass einseitige Handlungen am Golf allen Ländern der Region schaden.

Wir werden unsere prinzipientreue Haltung beibehalten, indem wir die legitimen Erwartungen der Menschen auf den Straßen unterstützen. Gleichzeitig müssen wir uns weiterhin der regionalen Dynamik annähern, während wir unsere kurz- und langfristigen Interessen harmonisieren.

Wir sind bereit, als Brüder und Schwestern zusammenzukommen, um zusammenzuarbeiten und bestehende Probleme zu lösen.

Ich möchte das betonen: Ohne Frieden und Stabilität im Irak und in Syrien wird es keine Aussicht auf Ordnung im Nahen Osten geben.

Die Störung der Stabilität und des Friedens im Irak hat sich nachteilig auf unsere Region ausgewirkt. Ein Irak, der auf eigenen Füßen steht, in seinem verfassungsmäßigen Rahmen und auf der Grundlage von nachhaltigem Frieden und Entwicklung, wird ebenfalls zum Frieden und zur Stabilität in der Region beitragen. Jeder muss seinen Beitrag dazu leisten.

Der Wiederaufbau des Irak ist ein Meilensteinprojekt des 21. Jahrhunderts, das die regionale Ordnung schaffen wird. Das ist nicht nur eine Aussage, sondern wir ergreifen auch Maßnahmen. Die großzügigsten Wiederaufbaubeiträge kommen aus der Türkei, die den Irak als ein freundliches und brüderliches Land betrachtet.

Wie wir mit der Operation Kralle bewiesen haben, werden wir nicht davor zurücktreten, gemeinsam mit den irakischen Behörden das Nötige zu tun, um diese Wiege der Zivilisation von der PKK und anderer terroristischer Organisationen zu befreien, so wie wir sie vom DEASH befreit haben.

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Die Türkei führt die internationalen Bemühungen um das Beenden des Konflikts in Syrien und trägt dazu bei. Wir arbeiten daran, Stabilität vor Ort zu schaffen und gleichzeitig unsere Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran in Astana und Sotschi fortzusetzen. Die konkreten Ergebnisse dieser Zusammenarbeit haben wir in der Vereinbarung von Sotschi gesehen.

Wir haben jede Gelegenheit genutzt, um das Regime und seine Anhänger daran zu hindern, Zivilisten in Idlib ins Visier zu nehmen. Ich rufe die ganze Welt auf, unsere Bemühungen zu unterstützen. Andernfalls könnten die Folgen der humanitären Tragödie in Idlib viel gravierender sein als die im Jahr 2015.

Gleichzeitig sind wir angestrebt, um führende internationale Akteure auf einer gemeinsamen Grundlage zusammenzubringen, um eine dauerhafte und glaubwürdige politische Lösung in Syrien zu finden. Die Türkei leistet einen wichtigen Beitrag zum politischen Prozess, der von den Vereinten Nationen im Rahmen der Resolution Nr. 2254 des Sicherheitsrates geleitet wird. Außerdem bemühen wir uns, die durch diesen Konflikt verursachten humanitären Krise zu lösen. Diese Bemühungen sind unerlässlich für unsere nationale Sicherheit und eine gute Nachbarschaft zu unseren syrischen Brüdern und Schwestern.

Wir kämpfen auch gegen terroristische Gruppen, die sich aus dem Konflikt in Syrien Nutzen ziehen. Dank der Operationen Euphratschild und Olivenzweig kehrten etwa 340.000 Syrer in die von DEASH und PKK/PYD/YPG geräumten Regionen zurück. Gegen jede Bedrohung durch den Terrorismus, die sich gegen unsere nationale Sicherheit richtet, werden wir unseren entschlossenen Kampf fortsetzen.

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Sehr geehrte Botschafterinnen und Botschafter,

verehrte Gäste,

Als Verbündete und Freunde möchten wir die Schwierigkeiten in unseren Beziehungen zu den Vereinigten Staaten überwinden und unsere Meinungsverschiedenheiten durch wohlgemeinte und aufrichtige Anstrengungen mildern. Wir möchten unsere bilaterale Zusammenarbeit auf der Grundlage gemeinsamer Interessen und der Achtung hoheitlicher Entscheidungen fortsetzen und ausbauen.

Wir erwarten von den Vereinigten Staaten konkrete Schritte in Fragen, die unsere nationale Sicherheit unmittelbar gefährden. Tatsächlich gibt es zwei grundlegende Fragen. Wir gehen davon aus, dass die USA ihr Engagement für PKK/PYD/YPG in Syrien einstellen und unseren Auslieferungsersuchen bezüglich FETÖ nachkommen werden.

Die Beschaffung von S-400 aus Russland wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Wir haben dieses System gekauft, um unsere Verteidigungsanforderungen zu erfüllen. Dessen ungeachtet steht die Verknüpfung dieses Themas mit unserer Teilnahme am F-35-Programm und mit Sanktionen, die für die Türkei überhaupt nicht relevant sind, in Widerspruch mit dem Bündnisgeist.

Die Person, die das am besten versteht, ist der US-Präsident Donald Trump. Wenn die USA einen konstruktiven Ansatz verfolgen, können wir zu gemeinsamem Denken, ergebnisorientierter Beratung und Zusammenarbeit in unseren Beziehungen zurückkehren.

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Ibn Khalduns Spruch „Geographie ist Schicksal" und unser Sprichwort "Suche kein Haus aus, sondern suche deinen Nachbarn aus" hat eine solide, sich ergänzende geopolitische Logik.

Für das Streben nach Frieden und Entwicklung in unserer Region ist die Verbesserung wichtiger regionaler Beziehungen von Bedeutung. Besonderen Wert legen wir auf unsere Beziehungen zu wichtigen regionalen Akteuren.

Unsere Beziehungen zu Russland kommen Tag für Tag auf einer transparenten und soliden Grundlage voran. Diese Beziehung beruht auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamen Interessen. Die konkreten Ergebnisse, die wir in den letzten Jahren erzielt haben, bedürfen hier keiner Erklärung.

Wenn beide Seiten zusammenkommen, äußern wir unsere Meinungen freimütig, insbesondere bezüglich verschiedener regionalen Themen. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Politik gegenüber anderen Ländern. Unsere Unterstützung für die territoriale Integrität Georgiens und der Ukraine sowie für unsere Verwandten Krimtataren sind die konkretesten Beispiele in diesem Sinne. In den Fragen, denen wir zustimmen oder nicht zustimmen, werden wir weiterhin in den Dialog eintreten und Wege für die Zusammenarbeit mit Russland finden, um zur regionalen Stabilität beizutragen.

Es wird uns eine Ehre sein, Seine Exzellenz Herrn Zelensky, den Präsidenten unseres strategischen und freundlichen Partners Ukraine, zu empfangen, der auch an der Botschafterkonferenz sprechen wird.

Wir messen unseren Beziehungen zum Iran sowohl in Bezug auf die gute Nachbarschaft als auch auf regionale Fragen große Bedeutung bei. Die einseitigen Sanktionen der USA sind schädlich für die Bevölkerung des Iran sowie für die Wirtschaft der Türkei und anderer Länder in der Region mit Handelsbeziehungen zum Iran. Statt einseitiger Maßnahmen sind Dialog und Diplomatie erforderlich, um die Spannungen abzubauen.

Wir sind ein untrennbarer Teil des Balkans. Wir werden weiterhin unseren Beitrag zur Überwindung der instabilen Situation auf dem Balkan und zur Gewährleistung von Stabilität und Entwicklung in der Region leisten.

Wir werden weiterhin zur Beilegung der Konflikte in dieser Region beitragen.

Wir werden niemals verweigern, die Länder, die für die Zukunft der Region von entscheidender Bedeutung sind, vor allem Bosnien und Herzegowina, zu unterstützen.

Wir unterstützen die regionale Eigenverantwortung und die Integration der Region in die europäischen und euro-atlantischen Institutionen.

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Wir stärken unsere Beziehungen zur türkischen Welt weiter. Wir werden den 10. Jahrestag des Türkischen Rates auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs feiern, der im Oktober von dem brüderlichen Aserbaidschan veranstaltet wird. Wir wollen auch, dass Usbekistan Mitglied in dieser brüderlichen Organisation wird. Wir begrüßen den Beobachterstatus Ungarns im Rat. Wir werden unser Beziehungsnetz vom Kaukasus bis Zentralasien auf der Grundlage von Freundschaft, Solidarität, gegenseitigem Respekt und Zusammenarbeit weiter ausbauen und dabei auch die regionale Dynamik berücksichtigen. Die trilateralen und vierseitigen Mechanismen, die wir im Kaukasus etabliert haben, erweisen sich bereits als fruchtbar.

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Die Dynamik, die wir in unseren Beziehungen zu Afrika, dem zweitgrößten Kontinent der Welt, erreicht haben, nimmt weiter zu. Wir haben in den letzten zehn Jahren die institutionelle Grundlage unserer Beziehungen zu Afrika geschaffen. Wir haben unser Handelsvolumen auf 23 Milliarden US-Dollar erhöht. Unsere Unternehmen betreiben Flughäfen und Seehäfen in Afrika. Wir legen Wert auf eine ausgewogene Entwicklung unseres Handels und unserer Wirtschaftsbeziehungen auf der Grundlage eines Win-Win-Ansatzes.

Auf dem dritten Partnerschaftsgipfel Türkei-Afrika in der Türkei im Jahr 2020 werden wir gemeinsam einen Fahrplan für die kommenden Jahre festlegen. Unser Ziel ist es, weiterhin zu nachhaltiger Entwicklung, Frieden und Wohlstand auf dem Kontinent beizutragen. Unsere Solidarität mit den afrikanischen Ländern, mit denen wir uns in vielen wichtigen Punkten der internationalen Agenda einig sind, nimmt auch in internationalen Foren zu.

In einer Zeit, in der Entfernungen keine Rolle mehr spielen, knüpfen wir neue Verbindungen zu Lateinamerika und der Karibik. Mit drei neuen Botschaften haben wir eines der größten diplomatischen Netzwerke der Region erreicht. Einer nach dem anderen erreichen wir die Ziele unseres Aktionsplans. Wir setzen unsere Beziehungen zu verschiedenen regionalen Organisationen auf institutioneller Ebene fort. Wir tragen zu den Initiativen bei, die Frieden und Sicherheit in der Region fördern.

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Verehrte Botschafterinnen und Botschafter,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Zu unseren stetigen und grundlegenden Prioritäten gehört zweifellos die Zusammenarbeit mit unseren Bürgern, Verwandten im Ausland. Wir sind sowohl juristisch als auch moralisch für den Schutz der Rechte der türkischen Gemeinschaft in Europa verantwortlich. Mit über 6 Millionen Einwohnern bilden sie die Mehrheit der Muslime in vielen europäischen Ländern. Dabei stehen sie Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit gegenüber.

In allen Bereichen von der Bildung bis zur Beschäftigung sind Chancengleichheit und Toleranz wichtig, damit sich unsere Bürger erfolgreich an die Gesellschaft anpassen können, in der sie leben. Das Überwinden der Schwierigkeiten, mit denen unsere Bürger konfrontiert sind, wird weiterhin die wichtigste Aufgabe unserer Botschaften und Generalkonsulate sein.

In einer Zeit, in der migrationsfeindliche Stimmungen zunehmen, nehmen wir im Bewusstsein unserer humanitären Verantwortung mehr als 4 Millionen Vertriebene auf, von denen 3,6 Millionen aus Syrien stammen.

Mit dem Ziel, Unternehmer zu unterstützen, die nach Lösungen für die Bedürfnisse der Flüchtlinge suchen, haben wir gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen das Projekt Sustainable Development Goals Impact Accelerator gestartet. Mit diesem Projekt brachte unser Ministerium den öffentlichen und den privaten Sektor zusammen, um die Flüchtlinge zu unterstützen.

Bei der Wahrnehmung dieser humanitären Verantwortung erwarten wir von unseren Partnern Unterstützung. Dank unserer Bemühungen verzeichnen die europäischen Länder die niedrigsten Migrations- und Asylraten der letzten fünf Jahre. Auch die Europäische Union muss all ihren Verpflichtungen nachkommen. Die Lastenteilungsregelung muss bis zur Heimkehr der Syrer umgesetzt werden.

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Auch bei der Terrorismusbekämpfung erwarten wir die Unterstützung unserer Partner. Doppelmoral und Heuchelei im Kampf gegen den Terror müssen ein Ende finden. Der Terrorismus ist ein Verbrechen gegen die Menschheit, und ihn zu bekämpfen, ist eine gemeinsame Pflicht der gesamten Menschheit. Die Terrorismusbekämpfung durch die Türkei ist ein Beitrag für die gesamte Menschheit.

Unsere Kampagne gegen FETÖ setzen wir konsequent fort. Wir weisen unsere Gesprächspartner darauf hin, dass FETÖ ein erhebliches Risiko für die Länder darstellt, in denen sie ebenfalls vertreten sind. Wir verfolgen FETÖ-Mitglieder wo auch immer sie sich befinden, um ihnen ihre Möglichkeiten zu entziehen und sie vor Gericht zu stellen.

Bislang wurden in 22 Ländern mit FETÖ in Verbindung stehende Schulen geschlossen und Schulen in 19 Ländern von der türkischen Maarif-Stiftung (TMV) übernommen. Inzwischen hat TMV 290 Schulen auf der ganzen Welt übernommen oder eröffnet, an denen fast 30.000 Schüler eingeschrieben sind. Ebenso wurden durch unsere gemeinsamen Bemühungen so genannte Handelsstrukturen, Medien, Unternehmen und Verbände, die mit FETÖ verbunden sind, in 40 Ländern geschlossen.

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Der Terrorismus ist eine Plage im internationalen System und nährt sich von seinen Schwachstellen.

Daher bedarf es der Überarbeitung und Stärkung des internationalen Systems. Wir setzen uns für eine effektivere Gestaltung der internationalen Organisationen ein. Damit der UN-Sicherheitsrat besser mit den globalen Realitäten in Einklang gebracht werden kann, sagen wir, dass "die Welt größer als fünf ist“.

Auch als Ko-Vorsitz der Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen verstärken wir unsere Bemühungen. Der Hohe Vertreter Moratinos wird ebenfalls auf dieser Konferenz sprechen.

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Verehrte Botschafterinnen und Botschafter,

Wir sind dazu verpflichtet, regionale und globale Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, zu analysieren und unsere Interessen zu wahren.

Auf der einen Seite müssen wir versuchen, Krisen zu bewältigen und auf der anderen Seite günstige Bedingungen zu schaffen. Wir müssen die Chancen erkennen und ergreifen. Auch die Humanressourcen und die Technologie müssen sinnvoll genutzt werden.

In einer sich rasch wandelnden Welt, denken wir als das Ministerium, unter der Führung unseres Präsidenten, im Dienste unserer Nation, immer darüber nach, wie wir unsere Effektivität steigern und neue Methoden und Werkzeuge entwickeln können.

Aktive Außenpolitik erfordert auch gleichzeitig Innovation.

Heute kündige ich zum ersten Mal zwei neue Initiativen an, die darauf abzielen, unsere Beziehungen zum asiatischen Kontinent in einer geplanten und gezielten Weise zu verbessern, die sich schnell zum Schwerpunkt der Welt entwickelt, die Türkei zu einem der Think Tanks im Bereich der Diplomatie zu machen und die türkische Diplomatie mit dem sich rasch entwickelnden digitalen Umfeld auf Kurs zu halten.

Lasst uns mit Asien beginnen.

Im 21. Jahrhundert erfordert Effizienz in den Bereichen Wirtschaft und Diplomatie, vor Ort sowie am Tisch die Umfassung Asiens. Asien entwickelt sich zum Wirtschaftszentrum der Welt.

Verschiedene Akteure der internationalen Gemeinschaft stehen in einem Wettbewerb um eine stärkere Präsenz in Asien. Dabei reichen unsere Wurzeln tief in dieser höchst dynamischen Region der Welt. So wie wir Europäer in Europa sind, so ist es für uns wichtig, Asiat in Asien zu sein. Was uns einzigartig und besonders macht, ist unsere ausgeprägte Position auf diesen beiden Pfeilern.

Die Asienpolitik der Türkei ist bisher erfolgreich gewesen. Nun ist eine neue Erweiterung gefragt, die unseren Ansatz auf dem neuesten Stand hält und in die Zukunft trägt. Es ist höchste Zeit, eine neue Politik zu formulieren, die die Vielfalt Asiens anerkennt, aber auch eine ganzheitliche Perspektive auf die Region aufweist.

Heute geben wir hier unsere neue Initiative bekannt: „Erneut Asien".

Wir werden unsere Beziehungen in einem ganzheitlichen Rahmen weiter verbessern. In ganz Asien wollen wir eine ganz neue Dynamik auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts, der in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Prinzipien, gemeinsamer Werte und Harmonie entfalten.

Dieser Ansatz wird die Grundprinzipien unserer aktiven und humanitären Außenpolitik widerspiegeln, die sowohl vor Ort als auch am Tisch schlagkräftig ist.

Wir werden die Instrumente entwickeln, die wir benötigen, um Asien in Zusammenarbeit mit dem öffentlichen und privaten Sektor, der Universität und der Zivilgesellschaft ganzheitlich zu umfassen. Dabei werden wir viele Bereiche wie Bildung, Verteidigungsindustrie, Investitionen, Handel, Technologie, Kultur und politischen Dialog weitgehend berücksichtigen.

Das ASEAN-Treffen in Bangkok, an dem ich kürzlich teilgenommen habe, und die Kontakte, die ich dort mit meinen asiatischen Kollegen geknüpft habe, haben einmal mehr gezeigt, wie zeitig und wichtig unsere Initiative ist. Darüber hinaus wird die Türkei ab September den Vorsitz des Asia Cooperation Dialogue für die Amtszeit 2019-2020 übernehmen, der das am häufigsten besuchte Forum auf dem asiatischen Kontinent ist.

Das Ziel von „Erneut Asien“ ist es nicht, sich für eine Achse zu entscheiden. Unser Ziel ist es, die Rolle der Türkei als Schnittstelle zwischen Europa und Asien zu stärken, zur nachhaltigen Entwicklung unseres Landes und zum Fortschritt als Informationsgesellschaft beizutragen.

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Bei unserer zweiten Initiative werden wir uns auf die zukunftsweisenden Entwicklungen im Bereich der Digitaltechnik konzentrieren. Diese Entwicklungen beeinflussen die Diplomatie in all ihren Dimensionen - vor Ort, am Tisch sowie in ihrer Theorie.

Wir sehen, dass es möglich ist, die globalen Trends besser zu verfolgen, Krisen mit Frühwarnsystemen zu verhindern, die öffentliche Diplomatie zur direkten Zielgruppenansprache zu nutzen und konsularische Dienstleistungen effizienter bereitzustellen.

Modernste autonome Waffen werden die konventionellen Schlachtfelder ersetzen. Große Datenmengen und künstliche Intelligenz werden neue Möglichkeiten für die Konfliktprävention und -lösung an den Roundtables der Diplomatie bieten.

Nichts davon ist futuristisch. Die Zukunft ist schon da!

Auch wenn es nur wenige sind, bemühen sich einige Außenministerien auf der Welt bereits um die Anpassung an das digitale Zeitalter. Wir werden in Rückstand geraten, wenn wir uns einfach zurücklehnen und die Auswirkungen der neuen Technologien auf die Außenpolitik beobachten.

Im digitalen Zeitalter sind wir alle „digitale Diplomaten", und diese Instrumente müssen wir effektiv nutzen.

Deshalb habe ich mein Ministerium damit beauftragt, in Absprache mit den zuständigen Behörden an den Auswirkungen der neuen Technologien auf die Außenpolitik und an den notwendigen Schritten für die Transformation zu arbeiten.

Digitale Technologien werden auch der Schwerpunkt des Ministertreffens der Freundesgruppe Mediation in der UN sein, den wir im September dieses Jahres in New York gemeinsam leiten werden.

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Bekanntermaßen gehen führende Länder und Mächte heute über den Tellerrand hinaus und legen ihre außenpolitischen Ziele fest. Sie schaffen und nutzen Foren und internationale Veranstaltungen, bei denen neue Ideen und Trends diskutiert werden und Meinungsmacher und Entscheidungsträger zusammenkommen. Zusammen bestimmen sie die Tagesordnung und den Diskurs. In Zukunft werden auch wir ähnliche Bemühungen unternehmen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen ,

verehrte Botschafterinnen und Botschafter der Republik Türkei,

Unsere Heimat ist das Wertvollste, das uns in der Welt anvertraut wurde.

Es ist eine ehrenvolle Aufgabe, dieser Nation mit ihrer einzigartigen Geschichte, Kultur und Zivilisation zu dienen; eine Ehre, diesem traditionsreichen Staat zu dienen und unter seiner prachtvollen Flagge zu leben, als seine Hüter und Vertreter auf der ganzen Welt, sowie als türkischer Botschafter, türkischer Diplomat und das Außenministerium.

Turgut Uyar hätte unsere Gefühle nicht besser ausdrücken können:

Von Kars bis hin zu Edirne
liebe ich dich von Ost gen West.
Preise ich stets
jeden Stein, jeden Sandkorn, wie auch die Tapferen.

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Wir sind die fünf Sinne der Türkei, wo auch immer wir in der Welt dienen.

Stark sein und standhaft bleiben, sich auf die Seite der Wahrheit und der Aufrichtigen stellen, andere durch unsere Stärke inspirieren und Bedürftigen helfen. Das ist das Land, das wir vertreten.

Ein verantwortungsbewusstes und respektiertes Mitglied der internationalen Gemeinschaft. Hüter der Ruhe, des Friedens, der Stabilität und des Wohlstands, ein Hoffnungsschimmer für die Unterdrückten.

Wir arbeiten für eine aktive und humanitäre Außenpolitik, die vor Ort und am Tisch effizient ist, als Instrument des "Frieden Zuhause und Frieden in der Welt".

Anlässlich des hundertsten Jahrestages des Kampfes, der zur Gründung unserer Republik führte, sind wir die Botschafter eines Staates, einer Regierung und einer Nation, die sich zum Ziel gesetzt haben, über die Ebene der heutigen Zivilisation hinauszugehen.

All diese Bemühungen werden uns gemeinsam gelingen. Hand in Hand, Schulter an Schulter.

Ich grüße herzlichst all unsere Botschafter/innen und Teilnehmer/innen in Liebe und Respekt.